25|02|22 // No war but classwar!

In der Ukraine herrscht Krieg.
Der russische Imperialismus nutzt den Imperialismus der NATO als Vorwand, einen Angriffskrieg vom Zaun zu brechen und auf krude, aber immerhin sehr phantasievolle, Art zu rechtfertigen.

Am Ende werden Menschen wie Du und Ich auf den Schlachtfeldern verrotten. Weder die Entscheider*innen im Westen noch jene im Osten. Die Dichotomie von Diktatur und Demokratie ist ein Schauspiel zu Gunsten eines menschenfressenden Gesellschaftssystems, welches in die letzten Winkel der Welt gekrochen ist und nun den Rahmen zu sprengen droht. Falls das wen interessiert, zu diesem Mechanismus wurden schlaue Texte geschrieben. Zum Beispiel von Rosa Luxemburg: “Die Akkumulation des Kapitals. Ein Beitrag zur ökonomischen Erklärung des Imperialismus”.

Wie dem auch sei. In diesem Krieg gibt es keine “richtige Seite” außer die der Menschen, die unter ihm leiden. Und vielleicht könnte das sogar ein nationalistisch verblendeter, 21 jähriger, russischer Offizier sein. Kennt ihr die Geschichte von einem Zug der 74. motorisierten Brigade der russischen Streitkräfte, welcher sich ergeben hat, als sie feststellen mussten, wirklich unterwegs zu sein, um Menschen abzuknallen? Vielleicht ist da ja was dran. Wer weiß. Schön wär’s.

Jedenfalls gibt es da draußen Leute, die Widerstand leisten. In Russland trauen sich Menschen auf die Straßen um zu protestieren. Es sind nicht viele, die der Angst vor Repression trotzen, aber immerhin. Sie folgen dem Ausspruch vom Genossen Lorenzo Orsetti, der am 18. März 2019 im Kampf gegen den IS gefallen ist: “Every storm starts with a single drop. Try to be that drop.” In der Ukraine gibt es Menschen, die versuchen humanitäre Hilfe zu organisieren. Einige Anarchist*innen haben sich zusammengeschlossen und die “Operation Solidarity” ins Leben gerufen. Andere haben sich entschlossen, zum Gewehr zu greifen.
Alle heutigen Einnahmen, die über’s gewöhnliche Tresengeschäft hinausgehen, werden der Operation Solidarity zu Gute kommen.

Es gab Überlegungen, den Laden heute zuzulassen, aber wer will schon allein mit den düsteren Gedanken und Gefühlen zu Hause sitzen? Vielleicht gibt’s ein paar kluge Gedanken, was in dieser Zeit zu tun ist, wenn wir gemeinsam ein bisschen rumspinnen.
Also kommt vorbei, ab 20 Uhr geht’ die Tür auf.

Hier noch ein paar Links mit Einschätzungen und Überlegungen zum Krieg in der Ukraine.
https://foreignpolicy.com/2022/02/23/united-states-europe-war-russia-ukraine-sleepwalking/
https://de.crimethinc.com/2022/02/15/der-krieg-und-die-anarchistinnen-anti-autoritare-perspektiven-in-der-ukraine
https://de.crimethinc.com/2022/02/22/gegen-annexionen-und-imperiale-aggression-eine-erklarung-russischer-anarchistinnen-gegen-die-russische-aggression-in-der-ukraine
https://lefteast.org/lefteast-condemns-putins-imperial-war-against-ukraine/

In diesem Sinne, “NO WAR BUT CLASSWAR!”

PS: Mehmet Turgut unvergessen. Möge dir die Erde leicht sein.

18|02|22 // Lohnraub an der Ostsee

Solidarität mit Nadiia und Nataliia – Bosse, rückt die Kohle raus!
Infoveranstaltung und Solitresen am Freitag, den 18.02. ab 20:00 Uhr im Café Median.

Am freitag Abend gibt’s eine Premiere. Zum ersten Mal findet eine Veranstaltung im Rahmen des Club Taugenichts statt. Schon vor zwei Wochen konnten 200 Euro gesammelt werden, um den gerechten Kampf von Nataliia und Nadia zu unterstützen. Die beiden Frauen haben im Sommer letzten Jahres in der Tourismusbranche hier an der Küste gearbeitet. Eigentlich leben sie in der Ukraine, sind aber, wie viele andere, hier her gekommen, um Arbeit zu finden. Für die Unternehmer*innen ein gutes Geschäft, billigere Arbeitskräfte sind kaum zu bekommen. Aber das hat den Chefs in diesem Fall nicht gereicht:
Nadiia und Nataliia wurden um ihren Lohn geprellt!

Am Freitag kommen Leute von der FAU Rostock vorbei und werden ab 20 Uhr kurz und knackig über den Fall berichten. Wer vorher schon mehr lesen will, kann das hier tun.

In der Ukraine ist das Leben geprägt von Krieg und Krise, durch den Lohnausfall ist der Lebensunterhalt von Nataliia und Nadiia bedroht. In der aktuellen Zuspitzung des Muskelspiels zweier imperialistischer Machtblöcke ist diese Situation nicht einfacher geworden.
Deshalb fühlt euch herzlich eingeladen, anschließend beim Soli-Schnaps ordentlich zuzulangen. Wer noch andere Ideen hat, Geld aufzutreiben, kann das gern vorbeibringen.

18.02.22|20oo|Café Median

Auf dem schmalen Grad, auf Messers Schneide, auf der Nadelspitze.

Moin.

Was ist “gut”, was ist “schlecht”? Moral ist verlockend, gerade in Tagen, die so wirr oder von Nebel verhangen sind, dass althergebrachte Wegmarken als Orientierungspunkte ihren Dienst versagen. Umso dringender braucht es Orte, an denen Leute zusammenkommen und sich Quatsch ausdenken, irre und geniale Gedanken austauschen, füreinander da sind, sich auch mal achtarmig einen reinorgeln, aufeinander achtgeben. Eventuell kann das dazu beitragen, eine Annäherung an eine Idee von”richtig” und “falsch” zu versuchen, die aus verschiedenen Blickwinkeln identisch ist. Orte an denen wir wenigstens für Augenblicke das ewige Suchen gegen’s Finden eintauschen.

So ein Ort kann das Café Median sein und in erquicklicher Regelmäßigkeit hat’s sich an den letzten acht bis zwölf Freitagen – neben vielen anderen Tagen – dort sehr schön angefühlt. Das soll so weiter gehen!
Zuletzt wurde auch Kohle gesammelt – einen Abend 200 Mücken für die Unterstützung von Nadiia und Nataliia, die aktuell um ihren Lohn kämpfen, und an einem anderen Abend etwa 100 Kröten für eine Freundin, die aufgrund des Verdienstausfalls in Quarantäne kein Geld mehr hatte. Also, gegenseitige Unterstützung, Solidarität verteidigen, irgendwie was aufbauen, um so ein Leuchtfeuer im Dickicht neoliberaler Vereinzelung zu entzünden. Auch daran soll angeknüpft werden.
Aber das wird nicht ausreichen. Also erwarten euch außerdem hin und wieder Veranstaltungen zum gemeinsamen Lernen, gegenseitigen ermutigen, anstiften und aufrütteln, mit Tips und Tricks gegen Lohnsklaverei und andere Schweinereien, gegen Lethargie und Ohnmacht.
Was muss so ein Ort dürfen, was soll er können, was ist denk- und sagbar, was erwarten von uns, which side are you on? Dancing with myself? Es wird vielleicht ein wilder Ritt, immer auf Messers Schneide, immer auf der Nadelspitze, alles in Frage stellend, ohne auf Antworten hoffen zu dürfen. Da gehören wir hin. Mit dem Kopf durch die Wand.
Kino, Poesie, Kritik, Polemik, Kampf, Punk, Konsum, Pause, Kriminalität. Politik? Alles kann, nichts muss.
Hier werden dann regelmäßig Ankündigungen verlautbart, die euch in einen vermeintlich sicheren Hafen lotsen. Doch seid euch gewiss, es wird nicht immer gemütlich. Neben Rausch und Harmonie erwarten euch verstörende Einblicke, schwindelerregende Perspektiven, waghalsige Blicke noch über den breitesten Tellerrand und in die entlegensten Winkel der Welt.
Vermutlich erscheint hier auf dem Blog schon bald auch der ein oder andere Text – ein launischer Einwurf hier, eine provokante Spitze da, eine demütige Einsicht dort. Mal sehen.

So oder so – hoffentlich bis bald, immer wieder freitags im Café Median.
Immer mit Herz. Manchmal mit Kontext. Irgendwann mit Tanz.
Seid ungezogen und liebevoll. Verschwendet eure Zeit.
Willkommen im Club der Taugenichtse. Ⓐ

PS: Wenn du Lust hast, deine Finger in dieses trübe Wasser zu tunken und mitzumischen, den Raum für eigene Ideen & Inhalte nutzen oder was loswerden willst, sag einfach direkt vor Ort bescheid. <3